19.10.2005  Linktip 
Mit dem nachfolgenden Beitrag unternimmt der Verfasser auch nach einem Jahr erfolglosen Wartens den erneuten Versuch zum Start des Diskussionsforums unter dem Motto:
Den Weg zum guten Zustand mitgestalten!

Aktueller Anlass:
Nachdem die Bundesländer ihre Bestandsaufnahmen der Gewässerbelastungen abgeschlossen haben und die Berichte zusammengefasst für die Flussgebietseinheiten der Kommission vorgelegt worden sind, wird es Zeit, sich gerade auch unter dem Aspekt, die aktive Mitarbeit der Öffentlichkeit zu initiieren, mit diesen Berichten in ihrer ganzen Vielfalt zu befassen. An erster Stelle sollten sich die wasserwirtschaftlichen Fachleute angesprochen fühlen. Die Berichte sind hier im Wasserblick http://www.wasserblick.net jetzt problemlos anwählbar.

Mein Appell:
Möglichst viele Mitglieder der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) bringen sich in den Meinungsbildungsprozess zur Zustandsbewertung mit konkreten Beispielen ein. Nehmen Sie wahr, was das Auge sieht und vergleichen es mit der Bestandsaufnahme!

Meine Anregung:
Werfen Sie im bevorstehenden Winterhalbjahr einen Blick auf das, was für Sie sichtbar ist:
Ihr Fließgewässer vor der eigenen Haustür!
Zu einem Bach oder Fluss mit mehr als 10 km² Einzugsgebiet kann es nicht weit sein. Für den chemisch guten Zustand haben wir viel getan und alle Bürger zahlen dafür. Der Abwasserpilz ist nur noch selten, allenfalls unterhalb von Regenentlastungen wahrnehmbar. Mit den Augen lässt sich die heutige Wasserqualität kaum einschätzen, wohl aber der strukturelle Belastungszustand. Belastende Strukturparameter, wie Flächennutzung, Gewässerrandstreifen, Uferbewuchs, Uferverbau und Querbauwerke sind sichtbar. Die von diesen Parametern in hohem Maße abhängige Qualität des Lebensraumes der gewässertypischen Pflanzen und Tiere lässt sich erahnen. Auch wenn die Gewässerstruktur kein unmittelbarer Maßstab für die Ermittlung des Gewässerzustandes nach der WRRL ist, so vermittelt sie doch einen Eindruck darüber, wie stark der ökologische Gewässerzustand beeinträchtigt ist.

Meine Empfehlung:
Prüfen Sie, welche Informationen die Bestandsaufnahme für Ihr Gewässer speziell zu den aufgezählten sichtbaren Parametern bereitstellt. Äußern Sie sich auch, wenn dazu in den Berichten nichts oder wenig zu finden ist oder die Eieruhr Sie zur Aufgabe zwingt. Den Maßstab, wie detailliert die Informationen sein können und auch sein müssen, hat zum Beispiel das Land Nordrhein-Westfalen dadurch gesetzt, dass es seine Bürgerinnen und Bürger auffordert, mit ihren Ortskenntnissen dazu beizutragen, die Bestandsdaten zu optimieren.

Meine Hoffnung:
Das DWA-Diskussionsforum wird bis zur nächsten Mitgliederversammlung im Jahre 2006 in Osnabrück so intensiv genutzt, dass sich über die Beiträge ein repräsentatives Meinungsbild zur Aussagekraft der Bestandsaufnahmen der Gewässerbelastung aus Sicht der DWA-Mitglieder zumindest auf dem in diesem Beitrag umrissenen Beurteilungsfeld ergibt.

Mein Tipp:
Wer sich mit den Gewässerstrukturen beschäftigt, nimmt die Qualität seines Lebensraumes bewusster wahr und erfreut sich an vorher nicht registrierter Natur. Auch in Ballungsräumen sind gerade an den Gewässern oftmals bemerkenswerte Kleinstrukturen mit unerwarteten Pflanzen und Tieren zu finden. Zu Grundwissen über die Gewässerstrukturen und die Bewertungsparameter gibt es im Internet ein reichhaltiges Angebot. Die mit vielen Bildbeispielen erläuterten Parameter in der Kartierempfehlung der LAWA findet man unter http://www.hmulv.hessen.de, wenn man den Suchbegriff „Kartieranleitung“ eingibt. Die mit den Augen einfach wahrnehmbaren Parameter hat der Verfasser dieses Diskussionsbeitrages auf einer Website für die Region Ostwestfalen-Lippe erläutert und bilanziert. Diese Seite ist unmittelbar anwählbar, wenn man auf der Startseite vom Wasserblick im Suchfenster einfach die Buchstaben „fisdt“ oder den Begriff „Uferstreifen“ eingibt.

Zum Abschluss meine erneuerte Erwartung:
Mindestens eine Reaktion auf diesen Beitrag, die Anstoß zur weiteren Diskussion gibt.
Mich würde mal interessieren wie ist es jetzt der aktuelle Stand bezüglich Umwelt- und Ressourcenkosten, ob und wie die berücksichtigt werden?

Danke, Lily
NameSymDatumZeitSize
Umwelt-_und_Ressourcenkosten 2006.12.08 08:40:08 0
Alle Dateien herunterladen Sym Datum Zeit Size
Hallo Lily!

Über eine erste Reaktion nach mehr als einem Jahr Wartezeit war ich richtig erschrocken. Dennoch, ganz herzlichen Dank dafür! Leider lese ich nichts über Ihre Erfahrungen mit der Bestandsaufnahme und Ihrem Vergleich mit dem visuellen Eindruck am Bach vor Ort. Einen E-Mail-Kontakt über den Anlass Ihrer Frage würde ich begrüßen.

Nach meiner Überzeugung werden die strukturellen Belastungen der Fließgewässer bei den ökonomischen Bewertungen zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie das Problem schlechthin sein. Die durch diese Belastungen verursachten Schäden kommen bei den bisherigen Betrachtungen zu Umwelt- und Ressourcenkosten nicht vor. Auch in einem Artikel zum Kostendeckungsprinzip in der gerade erschienenen KA Nr.2 2006 kann ich dazu nichts entdecken. Weiterhin werden beispielhaft lediglich die Wasserdienstleistungen „Wasserversorgung und Abwasserentsorgung“ behandelt.

Zu befürchten ist, dass die ökonomischen Betrachtungen sich auf diese Dienstleistungen beschränken werden, dadurch die Wasserqualität allein den Ausschlag für dann teure Maßnahmenprogramme geben und der kosteneffiziente Weg zum besseren, möglichst dem guten Zustand der Gewässer nicht gefunden wird. Den Trend zur Vernachlässigung der strukturellen Belastungen zeigt ja bereits die Abschätzung der Wahrscheinlichkeit, das Ziel zu erreichen, in der Bestandsaufnahme.

Auf weitere Reaktionen bin ich gespannt.
Karlheinz Meier
Hallo Herr Meier,

mein Eindruck aus Diskussionen mit beteiligten Fachleuten ist, dass weitgehend Einigkeit über die hohe Bedeutung der strukturellen Belastungen besteht. Das Monitoring zum Makrozoobenthos zeigt aber, dass auch in diesem Bereich noch deutliche Defizite bestehen: Der Saprobienindex, dessen Anforderungen ja gegenüber Vor-WRRL-Zeiten gewässertypspezifisch teilweise noch etwas erhöht wurden, ist oftmals nicht ausreichend gut. Dies muss aber nicht bei jeder Belastung zu hohen Investitionkosten führen. Kläranlagenbetreiber verringern z.B. gerne die Biomasse in ihren Anlagen und fahren auch beim P-Ablaufwert gerne an die Grenzwerte ran, um Energiekosten und Fällmittel zu sparen.

Ihrem Appell kann ich mich nur anschließen.

Freundliche Grüße,
W. Kleef



> Hallo Lily!
>
> Über eine erste Reaktion nach mehr als einem Jahr Wartezeit war ich richtig
> erschrocken. Dennoch, ganz herzlichen Dank dafür! Leider lese ich nichts über
> Ihre Erfahrungen mit der Bestandsaufnahme und Ihrem Vergleich mit dem
> visuellen Eindruck am Bach vor Ort. Einen E-Mail-Kontakt über den Anlass Ihrer
> Frage würde ich begrüßen.
>
> Nach meiner Überzeugung werden die strukturellen Belastungen der
> Fließgewässer bei den ökonomischen Bewertungen zur Umsetzung der
> Wasserrahmenrichtlinie das Problem schlechthin sein. Die durch diese
> Belastungen verursachten Schäden kommen bei den bisherigen Betrachtungen zu
> Umwelt- und Ressourcenkosten nicht vor. Auch in einem Artikel zum
> Kostendeckungsprinzip in der gerade erschienenen KA Nr.2 2006 kann ich dazu
> nichts entdecken. Weiterhin werden beispielhaft lediglich die
> Wasserdienstleistungen „Wasserversorgung und Abwasserentsorgung“ behandelt.
>
> Zu befürchten ist, dass die ökonomischen Betrachtungen sich auf diese
> Dienstleistungen beschränken werden, dadurch die Wasserqualität allein den
> Ausschlag für dann teure Maßnahmenprogramme geben und der kosteneffiziente Weg
> zum besseren, möglichst dem guten Zustand der Gewässer nicht gefunden wird.
> Den Trend zur Vernachlässigung der strukturellen Belastungen zeigt ja bereits
> die Abschätzung der Wahrscheinlichkeit, das Ziel zu erreichen, in der
> Bestandsaufnahme.
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> Auf weitere Reaktionen bin ich gespannt.
> Karlheinz Meier
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